Werke

Eine Einführung

Die Zeiten ändern sich mit jedem Jahrhundert, mit jeder neuen Generation. Was sich nicht ändert, ist die Quelle allen Wissens, aus der seit Menschengedenken die großen Kulturen, Wissenschaften, Religionen und Philosophien hervorgingen. Die kulturell-historische Entwicklung der Menschheit zeigt jedoch, wie sich die verschiedenen Zweige der Wissenschaft mehr und mehr voneinander trennten und somit auch die Einheit einer universell anwendbaren Religion-Philosophie-Wissenschaft verlorenging. Die Religionen trennten sich von den Philosophien, und ebenso trennten sich die Wissenschaften von ihnen. Umso notwendiger wurde angesichts der fortschreitenden Spezialisierung die Wiedervereinigung von Religion, Wissenschaft und Philosophie, da wir nur in der Synthese dieser drei großen Denkmöglichkeiten der Kausalität unseres Daseins näher kommen können. So war es die damalige Zeit selbst, die ein Werk wie Isis Entschleiert herausforderte.

Schon bald nachdem H. P. Blavatsky am 17. November 1875 zusammen mit William Quan Judge, Henry Steel Olcott und anderen die Theosophische Gesellschaft gegründet hatte, begann sie mit der Niederschrift ihres ersten Standardwerkes Isis Entschleiert. Bereits nach knapp zwei Jahren konnte dieses bedeutende Werk am 29. September 1877 in New York einer interessierten Öffentlichkeit vorgestellt werden. Schon zehn Tage später war die Erstauflage vergriffen. Zu jener Zeit waren die Fronten zwischen den Vertretern der Naturwissenschaften und denen der Theologie hoffnungslos festgefahren. Mit Isis Entschleiert bot sich ein Ausweg aus dieser Situation und zugleich die Möglichkeit, Wissenschaft, Religion und Philosophie wieder miteinander zu versöhnen. Wenn wir heute zurückblicken, so zeigt sich, dass in weiten Bereichen bereits eine interdisziplinäre Annäherung erreicht werden konnte.

Isis Entschleiert brachte Bewegung in das Denken jener Zeit, das von einem sich zunehmend stärker entwickelnden Materialismus gekennzeichnet war. H. P. Blavatsky kam, um die Gedankenfor­men der Menschen zu zerbrechen. Ihr Wirken warf wieder neues Licht auf die von Geist und Intelligenz geleitete Evolution, der sie die Schöpfungslegenden gegenüberstellte. So treten sie nicht mehr als unüberbrückbare Gegensätze auf, sondern als zwei unterschiedliche Sichtweisen von Teilen der Alten Weisheit. Es ist H.P.B.s Verdienst, zeitalteraltes Wissen im Bewusstsein der Menschen neu verankert zu haben. Mit der Theosophie brachte sie jene alte „Lehre der Hoffnung“ zurück, die unvergänglich die Zeiten überdauert.

Isis Entschleiert – und dies gilt genauso für die folgenden Werke H. P. Blavatskys – entschlüsselt und erklärt Allegorien, die aus zeitalteralten religiösen Aufzeichnungen bekannt sind, aber bis­lang zu einseitig interpretiert wurden. Die Bedeutung christlicher Symbolik verbindet sich mit der Ausdeutung anderer Weltreligi­onen zu einem für damalige und heutige Verhältnisse neuen Bild, das auf einen gemeinsamen Ursprung der Überlieferungen hinweist. Die Isis erklärt Meisterschlüssel, die gemäß der Autorin nicht einmal, sondern mindestens siebenmal umgedreht werden müssen, bevor sich sowohl die verborgenen als auch die mehr sichtbaren Zusammenhänge in der Tiefe erschließen. Jede Facette hat ihre Bedeutung, ist ein Steinchen im Mosaik der uralten Weisheitsreligion.

Diese Arbeit setzte H. P. Blavatsky mit ihrem zweiten Hauptwerk Die Geheimlehre fort. Begonnen 1885 in Würzburg erschien das epochale Werk 1888 in London. H. P. Blavatsky schreibt im Vorwort: „Nach der ursprünglichen Ankündigung war es beabsichtigt, dass die ,Geheimlehre‘ eine berichtigte und erweiterte Bearbeitung von ,Isis Entschleiert‘ sein solle. Es fand sich aber bald, dass die Erläuterungen, welche zu denen noch hinzugefügt werden konnten, die in dem letztgenannten und anderen esoterische Wissenschaft behandelnden Werken bereits der Welt gegeben worden, so beschaffen waren, dass si eine andere Art der Behandlung erforderten; und daher enthalten die vorliegenden Bände alles in allem keine zwanzig aus ,Isis entschleiert‘ entnommenen Seiten.“

Mit den Standardwerken Isis Entschleiert und Die Geheimlehre sowie dem Kleinod Stimme der Stille, dem epochalen Nachschlagewerk Lexikon der Geheimlehren und den auf astrale Gefahren hinweisenden Unheimlichen Geschichten hat H. P. Blavatsky ein historisches Erbe hinterlassen. Es ist zeitlos aktuell und wird auch künftigen Generationen ermöglichen, zunehmend tiefer in die kausalen Realitäten unseres Daseins vorzudringen.

Der Leser möge im Sinne wahrer Philosophie – der Liebe zur Weisheit – seinen Teil der Wahrheit in den Seiten dieses erstaunlichen Werkes finden.

 

Quellen:
Hermann Knoblauch: Vorwort zu Isis Entschleiert
H. P. Blavatsky: Die Geheimlehre, Jubiläumsausgabe

 

Isis Entschleiert

Die Geheimlehre

Die Stimme der Stille

Lexikon der Geheimlehren

Unheinmliche Geschichten

Startseite
Impressum

Helena Petrowna Blavatsky
© Die Theosophische Gesellschaft Point Loma – Covina · Gödekeweg 8 · 30419 Hannover