Ausgewählte Texte

Unser Gedächtnis – eine Sphinx für die Wissenschaft

Auszug aus Isis Entschleiert

So stimmen sowohl die alte als die moderne Weisheit, die Weissagung und die Wissenschaft überein und bestätigten die Ansprüche der Kabbalisten. Auf den unzerstörbaren Tafeln des Astrallichtes wird der Eindruck jedes Gedankens, den wir denken, und alles, was wir tun, geprägt; und jene zukünftigen Ereignisse – Wirkungen lange vergessener Ursachen – werden dem Auge der Seher und Propheten als ein lebendes Bild dargestellt.

Das Gedächtnis – dessen Tatsache die Materialisten zur Verzweiflung bringt, ein Rätsel für die Psychologen ist und eine Sphinx für die Wissenschaft – ist für die Schüler der alten Philosophien nur ein Name, um Kraft auszudrücken, die der Mensch unbewusst anwendet und mit vielen niederen Tieren teilt: mit dem inneren Blick in das Astrallicht zu sehen und die Bilder vergangener Empfindungen und Vorkommnisse dort zu schauen. Anstatt die zerebralen Ganglien „nach Mikrographien des Lebenden und des Toten zu durchsuchen, nach Ereignissen, denen wir beigewohnt haben, oder solchen, an denen wir teilgenommen haben“, gingen sie zu dem großen Repositorium, wo über jedes Menschenleben und über jeden Pulsschlag der sichtbaren Schöpfung Berichte aufgezeichnet liegen, für alle Ewigkeit.

Jener Gedächtnisblitz, von dem man nach der Überlieferung vermutet, er zeige einem Ertrinkenden jede auch noch so lang vergessene Szene seines sterblichen Lebens – wie eine Landschaft sich dem Reisenden zeigt, durch wechselnde Blitze –, ist einfach ein schneller Blick, den die ringende Seele in die schweigenden Galerien wirft, wo ihre Geschichte in unvergänglichen Farben dargestellt ist. Die wohlbekannte Tatsache, die von 9 unter 10 Personen durch persönliche Erfahrung bestätigt wird – dass wir nämlich oft etwas als uns vertraut wiedererkennen, z. B. Vorgänge, Landschaften, Unterhaltungen, die wir zum ersten Male sehen und hören und bisweilen in früher noch nicht von uns besuchten Ländern –, ist ein Resultat, das denselben Ursachen entspringt. Die an die Wiederver­kör­perung Glaubenden führen das als einen neuen Beweis für frühere Existenz in anderen Körpern an. Jenes Erkennen von Menschen, Ländern und Dingen, die wir niemals gesehen haben, wird von ihnen den Blitzen im Gedächtnis der Seele auf Grund früher gemachter Erfahrungen zugeschrieben.

Aus: Helena Petrowna Blavatsky: Isis Entschleiert, Originalausgabe, Band I, S. 179 f.

Startseite
Impressum

Helena Petrowna Blavatsky
© Die Theosophische Gesellschaft Point Loma – Covina · Gödekeweg 8 · 30419 Hannover