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Karma – Ursprung und Bedeutung für das tägliche Leben

Reinkarnation und Karma – diese tiefen und wunderbaren Lehren über Wiedergeburt und die alles ausgleichende Gerechtigkeit können unsere Einstellung zum Leben von Grund auf verändern! Doch sie waren in der westlichen Welt schon fast vergessen, als H. P. Blavatsky sie durch ihre Schriften erst wieder bekannt machte. So geben sie heute vielen Menschen eine ethische Richtlinie für ihr Leben.

Im folgenden Artikel aus der Geheimlehre geht H. P. Blavatsky in Verbindung mit der mythologischen Deutung der griechischen Göttin Nemesis auf die essenzielle Bedeutung von Karma ein. Sie zeigt eindrucksvoll auf, dass Karma eine der Natur innewohnende Gewohnheit des universellen Seins ist. Doch Karma steht nicht wie eine strafende Gottheit oder wie ein unabwendbares Schicksal außerhalb von uns. Im Gegenteil – Karma entspringt unserem Handeln und Denken. Es ist tatsächlich die Reaktion auf unsere eigenen Gedanken, Entscheidungen und Handlungen!

Wir sind selbstbewusste Wesen mit einem freien Willen, mit Bewusstsein und Intelligenz. Dadurch sind wir untrennbar mit dem Universum verbunden, das auf jede Regung und jeden Gedanken wie ein Echo mit entsprechender Wirkung reagiert. Es wird deutlich, dass Karma kein Fatalismus ist, sondern seinem Wesen und der Wirkung nach das Resultat freien Willens.

H. P. Blavatsky schreibt hierzu:

„Im Westen ist [...] die volle [...] Bedeutung der griechischen Nemesis oder des Karma vollständig vergessen worden. [...] Karma-Nemesis ist die Schöpferin der Nationen und Sterblichen[...]. Fürwahr –

Weise sind, die ehren Nemesis

– wie der Chor zu Prometheus spricht. Und ebenso sind jene unweise, welche glauben, dass die Göttin durch irgendwelche Opfer oder Gebete besänftigt oder zur Ablenkung ihres Rades von dem Wege, den dasselbe einmal genommen hat, bewogen werden könne.“

„Denn das einzige Gesetz des Karma – ein ewiges und unveränderliches Gesetz – ist unbedingte Harmonie in der Welt des Stoffes, so wie sie es ist in der Welt des Geistes. Nicht Karma ist es daher, welches belohnt oder bestraft, sondern wir belohnen oder bestrafen uns selbst, je nachdem wir entweder mit, mittelst oder gemäß der Natur wirken, indem wir den Gesetzen, von denen diese Harmonie abhängt, gehorchen, oder sie brechen.“

„Mit der richtigen Erkenntnis, oder zum Mindesten mit einer vertrauensvollen Überzeugung, dass unsere Nachbarn nicht mehr daran arbeiten würden, uns zu schädigen, als wir daran denken würden, sie zu kränken, würden zwei Drittel des Weltübels in leere Luft vergehen. Wäre kein Mensch dazu bereit, seinen Bruder zu verletzen, so hätte Karma-Nemesis weder Ursache, deshalb zu wirken, noch Waffen, um durch dieselben zu handeln. Die beständige Anwesenheit in unserem Gemüt von jedem Bestandteil von Streit und Widerstand, und die Einteilung der Rassen, Völker, Stämme, Gesellschaften und Einzelwesen in Kaine und Abeln, Wölfe und Lämmer, ist die Hauptursache der ,Wege der Vorsehung‘. Wir schneiden diese zahlreichen Windungen in unsere Schicksale täglich mit unseren eigenen Händen, indes wir uns einbilden, dass wir eine Spur auf der königlichen Hochstraße der Ehrbarkeit und Pflicht verfolgen, und dann uns beklagen, dass diese Windungen so verworren und so dunkel sind. Wir stehen verwirrt vor dem Geheimnis, das wir selbst geschaffen, und vor den Rätseln des Lebens, die wir nicht lösen wollen, und dann klagen wir die große Sphinx an, dass sie uns verschlingt. Aber fürwahr, es ist kein Zufall in unseren Leben, kein missratener Tag und kein Missgeschick, die nicht auf unsere eigenen Taten in diesem oder in einem anderen Leben zurückgeführt werden könnten.“

„Karma-Nemesis ist nichts mehr, als die geistige, dynamische Wirkung von Ursachen, hervorgebracht durch unsere eigenen Handlungen, und von Kräften, die von eben denselben zur Tätigkeit erweckt wurden.“

Aus: Helena Petrowna Blavatsky:
Die Geheimlehre, Band 1, S. 704 ff.

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